Ich habe genug.
Lust, Flammen und Kuesse
Sind giftig und suesse
Und machen nicht klug.
Komm, selige Freyheit und daempfe den Brand,
Der meinem Gemuete die Weisheit entwand.
Was hab ich getan!
Jetzt seh ich die Triebe
Der toerichten Liebe
Vernuenftiger an;
Ich breche die Fessel, ich loese mein Herz
Und hasse mit Vorsatz den zaertlichen Schmerz.
Was quaelt mich vor Reu?
Was stoert mir vor Kummer
Den naechtlichen Schlummer?
Die Zeit ist vorbei.
O koestliches Kleinod, o teurer Verlust!
O haett ich die Falschheit nur eher gewusst!
Geh, Schoenheit, und fleuch!
Die artigsten Blicke
Sind schmerzliche Stricke;
Ich mercke den Streich.
Es lodern die Briefe, der Ring bricht entzwei
Und zeigt meiner Schoenen: Nun leb ich recht frei.
Nun leb ich recht frei
Und schwoere von Herzen,
Dass Kuessen und Scherzen
Ein Narrenspiel sei;
Denn wer sich verliebet, der ist wohl nicht klug.
Geh, falsche Syrene, ich habe genug!
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Quelle: Johann Christian Günthers Sämtliche Werke. Erster Band: Liebesgedichte und Studentenlieder in zeitlicher Folge