Da saßen sie nun auf ihrer Decke inmitten dieses wunderbaren Parks. Nur sie zwei wie eine Insel der Liebe. Joy konnte ihr Glück nicht fassen. Immer schon hatte sie davon geträumt mit Peter zusammen zu sein, aber nie für möglich gehalten, dass es wahr werden könnte. Er war einfach perfekt: strahlend blaue Augen, ein hinreißendes Lächeln und ein wahrhafter Gentleman. Und dieser Traumprinz saß ihr jetzt gegenüber. Joy war verliebt und wollte es Peter wissen lassen: „Weißt du, noch nie in meinem Leben ist mir so jemand wie du begegnet.“ Peter nahm eine Traube und fütterte sie damit. Er lächelte sie an. ...
Jedoch plötzlich wurde er ernst und seine Stimme klang fast schon böse: „Na dann träum mal weiter!“
Joy erschrak: „Was, was hast du gesagt?“
Sanft strich er ihr die Haare aus dem Gesicht und meinte: „Nichts, ich habe nichts gesagt. Ist alles okay?“
„Ja, ja, sicher, ist alles in Ordnung,“ Joy wirkte aber etwas verwirrt.
Die Welt war in Ordnung, alles war okay. Da war sie sich sicher, oder? Peter blickte ihr tief in die Augen, packte sie an den Oberarmen und schüttelte sie. „Wach auf Joy, wach auf,“ komischerweise klang seine Stimme auf einmal so weiblich.
„Hey, was ist denn los mit dir? Du solltest schon lange diese Dokumente fertig haben.“ Joy schrak auf, sie erkannte die Stimme ihrer Arbeitskollegin Lisa „Außerdem Mister Traver hat nach dir gefragt.“
Mister Traver das war Peter und Joy wusste genau was er wollte. Immerhin sie liebte ihn und er sie. Auf dem Weg zu ihm ging sie noch schnell zur Toilette um sich frisch zu machen. Dann stolzierte sie mit einem breiten Lächeln quer durch das Gebäude. Alle blickten ihr nach, das war der Neid. Wer hatte schon das Glück mit solch einem Mann eine so intensive Liebe zu erleben. Sie liebte diese Aufmerksamkeit, die ihr die Leute plötzlich entgegenbrachten und genoss es in vollen Zügen bis sie vor seinem Büro stand. Nervös öffnete sie die Türe und da saß er. Wie immer makellos: Einen schwarzen Anzug, ein weißes Hemd und eine dunkelrote Krawatte. Seine Haare saßen perfekt und im Gesicht war er glatt rasiert. Ja, ein wunderbarer Mann und er gehörte ihr, ihr ganz alleine. Niemand würde ihn ihr jemals wegnehmen. Er war die einzige, die wahre Liebe. Und dann blickte er auf: „Da sind sie ja endlich. „Er schien erregt zu sein, „schon dreimal habe ich nach Ihnen gefragt, Frau Santis.“
Joy kannte dieses Spielchen: Er nannte sie gerne beim Nachnamen und mimte den strengen Boss. Sie straffte ihren Rock, streckte ihren Körper durch – Bauch hinein, Brust heraus – und stöckelte auf ihren Mister Traver zu. Ihren Hinter von der einen Seiten zur anderen werfend, wackelte sie um den Schreibtisch herum, stellte sich dann knapp neben Peter und beugte sich tief zu ihm hinunter. Sanft hauchte sie ihm die Worte ´Was kann ich für Wie tun, Mister Traver` ins Ohr. Peter drehte sich zu ihr und sie spitzte die Lippen. Ach wunderbar, sie konnte es kaum erwarten ihn zu küssen. Joy spürte seinen Atem - warm und so gut nach Minze riechend – und dann seine weichen Lippen.
Doch er, er entzog sich ihr und meinte energisch: „Was soll denn das?“
Er sprang auf und versuchte einen großen Abstand zwischen sich und ihr zu bringen. Joy sah ihn entgeistern an: „Was soll das, du liebst mich doch!“
„Wie bitte, ich soll SIE lieben? Ich bin glücklich verheiratet, was soll ich da mit IHNEN?!“ Mister Traver schüttelte den Kopf und ging mit großen Schritten auf die Tür zu. Verzweifelt sah Joy ihre Liebe entschwinden. Sie wurde wütend, packte eine Schere und rannte schreiend auf ihn zu. Immer und immer wieder stach sie von hinten auf ihn ein und murmelte: „Du gehörst mir, nur mir, nur mir“. Überall war Blut: auf dem Boden, auf ihren Händen, Kleidern, im Gesicht. Es sah grauenvoll aus. Mister Traver hatte versucht sich zu befreien, aber ohne Chance. Jede Hilfe kam zu spät. Alle waren entsetzt. Sie sahen diese zwei Körper – der eine leblos und Joy saß darauf und küsste ihn wild und entschlossen. Dann blickte sie kurz auf, irr aber doch gelassen sagte sie: „Er gehört jetzt mir, ihr bekommt ihn nicht, mir alleine, nur mir.“ Das waren ihre letzten Worte. Sie krallte sich an dem Toten fest und nur mit sehr vielen Beruhigungsmitteln und Kraft konnte sie von ihm losgebracht werden.
Niemand konnte verstehen wie so etwas geschehen konnte. Joy war immer eine gute, zuverlässige, ordentliche und freundliche Arbeitskraft gewesen. Jeder fragte sich wie so eine Frau zu einer solchen Tat fähig war. Sie war verrückt, ja, verrückt nach Liebe und immer alleine gewesen, sie hatte keine Familie, keine Freunde, rein gar nichts, nur ihre Träume und von denen hatte sie immer gelebt.
Nun hatte sie aber auch ihren Verstand und ihr Leben verloren und ihre eigene Existenz beschränkte sich ab diesem Zeitpunkt auf ihre Träume. Sie wurde in eine Anstalt geliefert, die sie nie mehr verließ. Jedoch registrierte sie das nicht mehr, denn sie blieb für immer in ihrer eigenkreierten Welt mit Picknicken, schönen Männern, erfüllter Liebe und glücklichen Zeiten.